Von der Beamtin zur Social Media-Expertin

Im Mai durfte ich Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft Deutschland, erzählen, wie digitale Technologien meinen Berufsweg und damit auch mein Leben verändert haben. Der entstandene Beitrag ist als Teil der Reihe „#Schichtwechsel“ auf dem Blog von Microsoft Deutschland erschienen und nun auch hier zu lesen:

19961488_10213340222958454_7447742676638280861_nAls ich Christiane vergangene Woche auf der re:publica gesehen habe, habe ich sie eigentlich nicht gesehen: Inmitten einer Traube von Menschen und Sicherheitsbeamten um Innenminister Thomas de Maizière war die Social Media Managerin für das Bundesministerium des Innern zwar kaum zu erkennen, sie selbst behielt aber – professionell wie immer – den Überblick im Social Web, reagierte auf Kommentare und beantwortete Fragen. Doch noch vor wenigen Jahren war Christiane als Beamtin in einer Kleinstadt tätig. Ich wollte wissen, wie aus einer Beamtin eine der wichtigsten Expertinnen im Bereich Social Media für Behörden wurde und habe Christiane aka @amtzweinull einfach gefragt:

Was ist deine persönliche #Schichtwechsel-Story?

Social Summit 2017Meine erste Ausbildung war ein duales Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin, sprich: Zur Verwaltungsbeamtin im gehobenen Dienst, die man in jedem Bereich einer Behörde (vom Standesamt bis hin zur Waffenrechsabteilung) hätte einsetzen können. Das Studium – viel Jura und ein wenig Psychologie – machte mir großen Spaß, denn auch dort musste man bereits viel Textsicherheit beweisen, und ich schreibe gern. Die Praxisphasen in der Behörde machten mir weniger Spaß. Ich hatte mich für diese Ausbildung entschieden, da man verbeamtet und gut bezahlt wurde und ich mich auf diese Weise abnabeln wollte. Doch als ich nach dem Abschluss in der Kommunalverwaltung einer Kleinstadt saß, wurde mir sehr schnell klar: Hier kannst du nicht bleiben, das kann es jetzt nicht gewesen sein. Eigentlich wollte ich immer schreiben und „was mit Medien“ machen. Also studierte ich mit viel Schweiß und Tränen berufsbegleitend Medienwirtschaft und hatte eigentlich das Ziel, den öffentlichen Dienst zu verlassen. Doch es kam wieder anders: Man setzte mich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eines JobCenters ein, dann wechselte ich in die Pressestelle einer Bundesbehörde. Und dann kam Social Media. Privat war ich längst von dieser Kommunikations- und Darstellungsform angetan, und nun bekam ich die Chance, das Thema im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aufzubauen. Plötzlich waren Facebook und Twitter (über Umwege) mein Job – und ich merkte, dass ich „meine Nische“ endlich gefunden hatte, und der öffentliche Dienst auch spannend sein kann. Inzwischen twittere ich hauptberuflich für das Bundesministerium des Innern und kam auf diese Weise ins wunderbare Berlin. 2013 habe ich außerdem angefangen, einen Blog für Behörden zu schreiben, die gute Social Media-Arbeit machen wollen und dafür noch Know-How brauchen. Auch Inhouse-Schulungen biete ich an.

Was war aus deiner Sicht der bedeutendste #Schichtwechsel der letzten 10 Jahre?

20161006_AFBMC16_378Soziale Netzwerke haben unsere Kommunikation verändert. Sie haben Behörden „gezwungen“, schneller, ehrlicher, auf Augenhöhe und mit Hilfe modernerer Medien zu kommunizieren. Behörden haben dadurch selbst viele Vorteile: Sie können ihre Bürger besser und schneller erreichen und binden als vorher. Ein gutes Beispiel sind Polizeien, die über Facebook und Twitter Fälle aufklären, für Themen sensibilisieren, Personal finden und viel Achtung und Verständnis gewinnen. Eine sehr positive Entwicklung, denn Staat und Bürger dürfen sich nicht noch weiter voneinander entfremden.

Auf welchen #Schichtwechsel in der Zukunft bist du besonders gespannt?

Eine große Herausforderung für den Staat sind derzeit Phänomene wie Hate Speech, Fake News, die „postfaktische Gesellschaft“ a la Trump und die Unzufriedenheit vieler Bürger mit der Politik. Behörden müssen künftig anders kommunizieren, als sie es bisher tun, und soziale Medien sind ein hilfreiches Element dieses #Schichtwechsels. Ich möchte an der weiteren Entwicklung der politischen Kommunikation unbedingt aktiv mitarbeiten und bin gespannt darauf.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der einen #Schichtwechsel vor sich hat?

GermannFolge deiner Leidenschaft, suche dir Unterstützer auf deinem Weg, sei ausdauernd und Hindernisse sind da, um sie zu überwinden.

Was ist deine persönliche „Love out Loud„-Botschaft?

Liebe und Leidenschaft für ein Thema sind die besten Mittel zum Erfolg.

Wie geht es bei mir weiter? Derzeit absolviere ich neben meinen zahlreichen Jobs 😉 das Masterstudium Public Affairs & Leadership (MBA) an der Quadriga Hochschule Berlin. Wesentliche Inhalte: Kommunikation und die Auswirkungen der Digitalisierung. Die neuen (Er)Kenntnisse werde ich anschließend sicherlich gut nutzen können, um mein Leidenschaftsthema weiter mit voranzutreiben!

Ihre
Christiane Germann

Fotonachweise: Henning Schacht/BMI (Bild 1), Social Summit/Gregor Schmidt (Bild 2), Allfacebook Marketing Conference (Bild 3), Michael M. Roth/MicialMedia (Bild 4)

Kategorien:Basics

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