Behörden erobern die AllFacebook Conference!

Dieser Beitrag wurde am 7.11.2015 aktualisiert.

FullSizeRenderIch kann mich gut erinnern: Vor rund zwei Jahren war ich auf Social Media-Konferenzen als Social Media-Managerin in einer Behörde noch eine Exotin. 🙂 Diese Zeiten sind vorbei: Auf der gestrigen AllFacebook Marketing Conference (AFBMC) – der größten und wichtigsten deutschen Konferenz zum Thema Facebook – war das Thema Behörden und Politik sogar ein Schwerpunkt mit eigener Bühne. Und so war auch ich mit einem Talk dabei. Was so los war, lasse ich hier  Revue passieren.

Die AllFacebook Conference findet einmal pro Halbjahr (abwechselnd in Berlin und München) statt und ist für mich Pflichtprogramm und Highlight im Kalender. Nirgends sonst bekommt man so aktuelle Infos und geballt hochwertigen Input zum Thema Facebook, Instagram und WhatsApp (letztere gehören mittlerweile ja zum blauen Riesen) an nur einem Tag. Es wird außerdem viel Wert aufs Netzwerken gelegt – und auch darauf, dass die Vorträge keinen werblichen Charakter haben.

Rückblick auf die Allfacebook Conference am 5.11.2015

Da die Konferenz sich jährlich vergrößert, gab es diesmal erstmals drei Bühnen statt zwei – und mit „Politics und Government“ eben erstmals einen (sehr gut zum Veranstaltungsort Berlin passenden) Themenschwerpunkt.

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Kommentare „besorgter Bürger“ auf der Facebook-Seite des Umweltbundesamts

Was auf der Behörden-Bühne passierte

Den Auftakt auf „unserer“ Behörden-Bühne machten zwei Bekannte von mir: Christoph Zinsius, Social Media Officer beim Umweltbundesamt und Stephan Gabriel Haufe, Sprecher beim Bundesministerium für Umwelt und zuständig für die Facebook-Seite der Ministerin Barbara Hendricks. Das UBA war mit seiner Facebook-Seite damals die erste Bundesbehörde im größten sozialen Netzwerk. Christoph Zinsius konnte daher sehr vielen kurzweiligen Anekdoten aus dem Social Media-Alltag aufwarten. So vermuten Verschwörungstheortiker hinter den Kondensstreifen von Flugzeugen ja gerne mal so genannte „Chemtraills“ – Chemikalien, die von der Regierung absichtlich in den Himmel geblasen werden. Und darüber wird dann natürlich auch heftig auf den Facebook-Seiten der „verantwortlichen“ Behörden diskutiert. Dass die Kommentatoren dabei nicht immer nett sind, kann man erahnen oder hier im Bild sehen ;-). Stephan Gabriel Haufe betonte indes, dass Social Media in Behörden mittlerweile eine Selbstverständlichkeit seien – keine Behörde frage sich mehr, ob man dort aktiv sein solle, sondern nur, wie.

Anschließend war ich mit meinem eigenen Talk „Der Staat bei Facebook – Was Behörden brauchen, um social zu sein“ (die Slides dazu findet Ihr hier) dran. Ich knüpfte dort an, wo die beiden Kollegen aufgehört hatten und zeigte einige Beispiele von Behörden, die professionell und erfolgreich über Facebook, Instagram und WhatsApp kommunizieren – darunter die Polizei Berlin, die bei Facebook mit einer Mischung aus Öffentlichkeitsarbeit, Fahndung, Prävention und Personalrecruiting über 60.000 Fans begeistert. Ich zeigte, dass Behörden in sozialen Netzwerken manchmal sogar witzig sind. Und man in Zeiten vieler Gerüchte und Hassbotschaften bei Facebook (aktuell besonders beim Thema Flüchtlinge zu beobachten) auf Behördenseiten stets offizielle Infos und Zahlen bekommt – und seine Kommentare direkt bei der zuständigen Stelle abgeben kann.

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Quelle: @stadtpegnitz

Ich räumte aber auch ein, dass nicht alle Behörden ihr Social Media-Potenzial ausschöpfen können und nannte auch dafür einige Beispiele aus meinem Beratungs-, Schulung- und eigenen Arbeitsalltag. So gibt es in Behörden wegen Personalmangels oftmals keine Vollzeit-Social Media-Verantwortlichen, sondern die Mitarbeiter/innen betreuen Seiten und Profile neben anderen Aufgaben. Meistens sind sie auch für den öffentlichen Dienst ausgebildet und müssen sich zunächst intensiv in den Bereich Social Media einarbeiten. Ein Budget für Social Media gibt es häufig ebenso wenig wie ein dienstliches Smartphone. Und Facebook-Ads zu schalten, gilt in den meisten Behörden als geradezu anrüchig…

Mein Fazit: Es gibt in dem Metier noch viel zu tun und Agenturen, Freelancer und Social Media-Experten (zu denen ich ja mit einem Teil meiner Arbeitszeit auch gehöre) können Behörden dabei noch stärker unterstützen als bisher – mit maßgeschneiderten und haushaltsfreundlichen Angeboten. Tipps hierzu gebe ich gerne!

Direkt nach mir war ein weiterer geschätzter Kollege, nämlich der „Hamburger Wahlbeobachter“ Martin Fuchs, dran. Er bloggt nicht nur sehr erfolgreich zum Thema Social Media in der Politik und in Behörden, sondern ist auch Gründer der Website Pluragraph, die die Social Media-Kanäle von Behörden listet und vergleicht und aus meiner täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken ist. Für seinen Blog habe ich schon mal einen Gastartikel („Keine Angst vor Social Media: Wie man als Behörde mit einem Shitstorm umgeht“) geschrieben. In seinem Talk stellte er die Frage: „Lassen sich mit Facebook Gesetze verändern?“

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Quelle: @montikoeln

Die Antwort: nein! Der Prozess des Anstoßens einer Änderung (auch durch Bürger, auch über de sozialen Medien) bis zum fertigen Gesetz kann Jahre dauern. Facebook in seiner Kurzlebigkeit kann diesen Prozess nur schwer unterstützen. Es ist auch eher kein Ort für tiefgründige politische Diskussionen. Dennoch kann man Politiker/innen natürlich auf dem „kurzen Draht“ erreichen. Positiv ist: Mehr als 90 Prozent aller deutschen Bundestagsabgeordneten sind auf Facebook aktiv – weit mehr als Behörden. Nur wenige MdB’s verzichten (beispielsweise aus Zeitgründen) auf soziale Netzwerke.

Wahlkampf über Instagram funktioniert in Deutschland laut Martin Fuchs bisher nicht – auf dem Bilderkanal wolle man hierzulande, anders als in den USA, bislang eben keine Politiker/innen sehen. Und so manches mal müsse er den Wahlkandidaten, die er in Sachen Social Media berät, schonend beibringen, dass sie durch soziale Netzwerke nicht automatisch Barack Obama werden… 😉

Noch eine spannende Session schloss sich an: Lutz Hanus berichtete, wie man einen Stadtumbau auf und mit Facebook kommuniziert. In den Jahren 2011 bis 2015 wurde nämlich die Hanauer Innenstadt aufgehübscht. Das bedeutete jahrelange Baustellen und viele Fragen der Hanauer/innen: Was wird denn da gemacht? Entsteht da ein Einkaufszentrum oder ein Museum? Sah das vorher nicht eigentlich besser aus? Die Facebook-Seite „Hanau baut um“ beantwortete alle Fragen geduldig. Jetzt, nachdem die hessische Stadt in neuem Glanz erstrahlt, wurde die Fanseite in „Hanau (neu) erleben“ umbenannt – und bringt weiterhin die ansässigen Facebook-Fans zusammen, die sich über ihre Stadt austauschen wollen. Daumen hoch von mir für ein super Projekt und einen spannenden Vortrag!

1Einen weiteren Behörden Talk steuerte das Land Baden-Württemberg mit „Baden-Württemberg 2.0: Neue Medien, neue Netzwerke, neues Image“ bei.

Was sonst noch los war

Ich riss mich jedoch von der Behörden-Bühne los, um wie immer auch einen Blick über den Tellerrand zu wagen und die Beiträge von Unternehmen zu besuchen. Meine Highlights waren die Instagram-Best Practices und der Talk von 1-2-social, die am Beispiel der FB-Seite von Kentucky Fried Chicken Deutschland einmal mehr bewiesen, dass die organische Reichweite nicht tot ist. Und ich hörte den sehr witzigen Tom Thaler, den ich bisher nur über Facebook und Twitter kannte.

Die Allfacebook Conference hat regelmäßig auch die Platzhirsche unter den Speakern an Bord: Thomas Hutter und das Social Media-Anwalts-Duo Thomas Schwenke und Carsten Ulbricht mit ihrem „Facebook-Rechtsupdate“ gehören zur Stammbesetzung und sorgten auch diesmal wieder für volles Haus bei ihren Talks. Überhaupt ist die AFBMC ein schöner Ort, um viele Bekannte zu treffen, die man nach und nach über das gemeinsame Interesse am sozialen Netzwerken kennen gelernt hat. Auch von Facebook selbst sind immer Leute da – entweder als Speaker, oder sie verstecken sich wie diesmal unauffällig im Publikum und hören mit ;-). Der Behörden-Schwerpunkt hatte zur Folge, dass auch Gäste von Behörden da waren (zum Beispiel vom Auswärtige Amt, dem Innenministerium NRW den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe), was mich sehr gefreut hat. Schön war auch, dass auf der Behördenbühne Infodesignerin Daniela Vey moderierte, die Städte und Kommunen in Sachen Social Media und Webauftritt schult und berät und uns Behörden-Speakern genau die richtigen Fragen stellte, um die Talks noch interessanter zu machen.

Danke an Jens Wiese und Philipp Roth von allfacebook.de, die nicht nur wieder mal eine super Konferenz organisiert, sondern mit der Setzung des Behörden- und Politik-Schwerpunkts auch das Thema mit voran gebracht haben!

Sie waren nicht dabei? 

Die Präsentationen der Talks können Sie auf der Konferenz-Seite kostenlos herunterladen (meine Folien sind noch mal unter diesem Beitrag eingebunden). Da bei der AFBMC immer fleißig getwittert wird, kann man auch unter dem Hashtag #AFBMC viele Eindrücke abrufen. Die nächsten beiden AllFacebook Conferences sind am 17. März 2016 in München und am 10. November 2016 in Berlin – hoffentlich auch dann wieder mit Behördenthemen! Tickets für München können momentan zum „Super Early Bird“-Preis bestellt werden. Zwischen den Konferenzen sei auf jeden Fall der Allfacebook-Blog als regelmäßige Lektüre empfohlen – wer hier mitliest (man kann auch den Newsletter abonnieren), verpasst wirklich nichts, was es rund um das größte soziale Netzwerk Neues gibt. Mein Whitepaper „Der Staat bei Facebook – Warum Behörden heute social sein müssen“ ist dort auch zu finden.

Ihre 
Christiane Germann

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