Warum Sie als Behörde ein BarCamp besuchen sollten

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BarCamps vermitteln Wissen und Kontakte in die Social Media-Szene

Am vergangenen Wochenende war ich auf dem jährlichen CommunityCamp in Berlin. Wenn man Social Media- oder Community-Manager/in ist (in Behörden ist man meistens beides, den Unterschied werde ich bei Gelegenheit aber noch erklären), auf dem laufenden bleiben und sich vernetzen möchte, kommt man an diesem Event eigentlich kaum vorbei. Man lernt nicht nur mehr als bei jeder teuren Schulung, sondern man kann auch jede Menge wertvolle Kontakte knüpfen. Dennoch sind auf BarCamps bisher relativ wenige Social Media-Verantwortliche aus Behörden anzutreffen. Daher ist dieser Artikel ein klares Plädoyer für den Besuch von BarCamps, falls Sie in einer Behörde mit dem Thema Social Media befasst sind. 

Was ist ein BarCamp?

Erwähnt habe ich bereits hier, dass BarCamps eine ideale Möglichkeit sind, sein Social Media-Wissen aktuell zu halten und warum das wichtig ist. Doch damit Sie auch Ihre Fortbildungsabteilung überzeugen können, noch mal eine kurze Erklärung. BarCamp ist ein Veranstaltungsformat, bei dem es vorab keine feste Tagesordnung oder Liste von Vortragenden gibt, denn beides bestimmen die Teilnehmer selbst. Deshalb beginnt jedes BarCamp mit der Sessionplanung: Dabei stellen alle, die einen Vortrag vorbereitet haben oder sich auch einfach nur über ein bestimmtes Thema austauschen möchten, kurz „ihr“ Thema vor. Wer aus dem Publikum es interessant findet, hebt die Hand. Je nach Zuspruch bekommt der Sessiongeber einen kleinen oder großen Raum zugeteilt. Auf diese Weise entsteht der „Stundenplan“ für den Tag – jede Session dauert nämlich höchstens eine Stunde.

Sessionplanung bei einem BarCamp

Sessionplanung bei einem BarCamp

Anhand des Plans kann jeder Teilnehmer nun nacheinander die für ihn/sie interessanten „Sessions“ besuchen. Diese sind ein bisschen wie kleine Uni-Vorlesungen: Meistens hält eine/r einen Impulsvortrag mit Präsentation, danach oder auch zwischendurch werden Fragen gestellt und es wird sich ausgetauscht. Der Lerneffekt in diesen Sessions ist enorm – meist sind die Vortragenden Leute aus der Praxis, die ihre Erfahrungen eins zu eins weitergeben können. Ich schreibe in jeder Session ganz viel mit, stelle meistens auch Fragen und bringe mich in die Diskussion ein. Je größer das BarCamp, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch jemand von Facebook oder anderen sozialen Netzwerken da ist und aus dem Nähkästchen plaudert. Diejenigen, die in der Social Media-Szene bereits sehr bekannt sind, haben in ihren Sessions natürlich den stärksten Zulauf.

Anschließend geht es in die nächste Session – oder man macht einfach eine Stunde Pause und trinkt mit anderen einen Kaffee. Ein gemeinsames Frühstück und ein abendliches Get Together sorgen aber dafür, dass auf einem BarCamp in jedem Fall genug Zeit zum Netzwerken bleibt. Denn das ist neben dem „Lerneffekt“ der zweite große Nutzen an einem BarCamp: Man lernt viele andere Praktiker kennen und kann sich nicht nur an dem Wochenende mit ihnen austauschen, sondern sich anschließend – zum Beispiel auf Twitter – vernetzen und wieder kontaktieren. So viele sinnvolle Kontakte auf einmal für diesen Job knüpft man sonst nirgends. Und dass selbst Firmenchefs und Anwälte dort mit Shirt und Sneakers hinkommen, täuscht nicht darüber hinweg, dass es sich bei BarCamps um wichtige Branchentreffen handelt.

Womit man die Fortbildungsabteilung wahrscheinlich endgültig überreden kann: BarCamps sind nahezu kostenlos, es wird nur ein symbolischer Beitrag verlangt, der meist zwischen 20 und 40 Euro liegt. Der Rest wird über Sponsoren finanziert. Und: Da BarCamps meist am Wochenende stattfinden, „fehlt“ man im Büro erst dann, wenn man sich irgendwann freie Ausgleichstage nimmt.

Mein CommunityCamp 2014

ccb06Das CommunityCamp hat sich als eins der größten, bekanntesten und wichtigsten BarCamps der Social Media-Szene etabliert. Es fand dieses Jahr zum siebten Mal statt und jedes Mal gibt es mehr Zulauf – diesmal waren schätzungsweise 250 Leute da. Für alle, die am Freitagabend schon anreisten oder ohnehin in Berlin wohnen, gab es am Vorabend ein WarmUp mit einer Sonderedition der Veranstaltungsreihe Blog’n’Burger (danke an @ChrisLietze, dass ich noch ein Ticket abbekommen habe). Hier gab es ein großes Hallo und Wiedersehensfreude, denn „man kennt sich“ ja bereits von anderen BarCamps, von Twitter oder aus dem Berufsverband BVCM – das CommunityCamp wird von manchen auch „Familientreffen“ genannt.

Am Samstag besuchte ich als erstes die Session „Recht, Recht, Recht“ von und mit Thomas Schwenke, dessen Blog ich Ihnen bereits hier empfohlen habe für den Fall, dass Sie sich in Sachen Social Media auch rechtlich fit halten wollen. Er hat in seiner Session insbesondere noch mal die Impressumspflicht thematisiert, die leider auch für Social Media-Profile ohne Impressumsfeld (z.B. bei Instagram) gilt, was besonderer Link-Lösungen bedarf. Auch die Datenschutzerklärung („das neue Impressum“) muss schnell auffindbar und vollständig sein, da man sonst abgemahnt werden kann. Wer das vertiefen möchte, kann sich Thomas‘ Buch kaufen oder sich von ihm anwaltlich beraten lassen.

Anschließend schaute ich kurz bei der Session „Monetarisierung von Blogs“ von Roland Riethmüller vorbei, in der Möglichkeiten vorgestellt wurden, mit seinem Blog Geld zu verdienen. Da mich aber keine davon überzeugte, wird „Amt 2.0“ wohl „ehrenamtlich“ bleiben. 🙂

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Sessions haben viel mit Uni-Vorlesungen gemeinsam

Superspannend war für mich aber dann die Session „Krisenkommunikation im #Neuland“ von Uli Gelsen, der den Facebook-Auftritt von Angela Merkel managt und den ich schon mehr als zehn Jahre kenne. Nun ist es ja so: Politik und Behörden liegen gar nicht so weit auseinander, und auch wir hatten auf der Seite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge dieses Jahr schon einen „Shitstorm“ zu bewältigen. Uli schilderte, dass Frau Merkel nach der Handball-WM in Tunesien plötzlich einen hohen Zuwachs an tunesischen Facebook-Fans und arabischen Kommentaren auf ihrer Seite hatte – und sich prompt den Vorwurf gefallen lassen musste, sie habe „Fans gekauft“. Ein klarstellender Dementi-Facebook-Post war hier notwendig. Als die Kanzlerin dann beim kürzlichen Fußball-WM-Endspiel auf der Tribüne Putin begrüßte, folgte eine „Spam-Attacke“ sondergleichen mit 300.000 Kommentaren auf der Seite, die zu einem großen Teil gelöscht werden mussten. Praxisbeispiele wie diese sind für die eigene Arbeit ungemein wertvoll – deshalb hätte ich noch stundenlang zuhören können. Die Folien zu Ulis Session mit Tipps, wie man mit einem „Shitstorm“ umgeht, gibt es hier.

Nicht minder spannend war die nächste Session „Reiten auf einem toten Pferd“ von Christian de Vries zu einem meiner derzeitigen Lieblingsthemen: Die Zukunft des Journalismus in Zeiten von Social Media. Ausgehend von einer lokalen Tageszeitung in der Oberpfalz, die konsequent den Weg der Digitalisierung mitgeht, entbrannte eine lebendige Diskussion, unter anderem auch mit Björn Schumacher, den ich in der Session kennen lernte und mit dem ich mich nun sicherlich häufiger austauschen werde. Während Herr de Vries schilderte, dass die Zeitung mit ihrer Aktivität bei Facebook sehr erfolgreich sei (lediglich Twitter laufe nicht gut, da die ländliche Bevölkerung dieses Netzwerk nicht so stark nutzt), haben viele andere Zeitungen ja eine „Paywall“ (Bezahlinhalte) und man kann ihre Artikel nicht teilen – einer meiner größten Kritikpunkte an vielen Zeitungen, denn auf diese Weise werden zwar keine Inhalte, aber dafür unglaublich viele Leser „verschenkt“. Christian de Vries ist der Meinung, dass „Social Media auf Print zurückwirkt“. Hier schließe ich mich an!

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Der Sessionplan am zweiten Tag des CommunityCamps (inklusive meiner Session)

Recht spontan entschloss ich mich, am Sonntag selbst eine Session anzubieten und bastelte im Hotel noch die Präsentation. In „Amt 2.0 – Social Media in der öffentlichen Verwaltung – Praxisbeispiele und Pro’s“ erläuterte ich am Beispiel von im Social Web präsenten und erfolgreichen Kommunen, Ministerien und Behörden wie unserem Bundesamt, warum es für Behörden und Bürger weitaus mehr Vor- als Nachteile hat, wenn auch Ämter und öffentliche Einrichtungen den Schritt zu Facebook, Twitter und Co. wagen. Ein Problem ist dabei häufig der hohe Personalaufwand (was auch in der Diskussion wieder deutlich wurde) – doch die Chancen und Benefits (wie mehr Vertrauen in der Bevölkerung, Sichtbarkeit, Möglichkeiten eines guten Bürgerservice) überwiegen. Über den guten Zulauf, die vielen Fragen und das positive Feedback in und nach meiner Session habe ich mich natürlich sehr gefreut!

Gemeinsam mit Claire Oberwinter hielt ich gleich im Anschuss dann noch eine Session zum Thema „Social Media Sprechstunden“ für Interessierte, die in ihren Städten so etwas anbieten möchten. Social Media Sprechstunden (SMS) sind Veranstaltungsreihen, bei denen Experten Neulingen ehrenamtlich bei konkreten Problemen und Fragen rund ums Social Web helfen. Gemeinsam mit zwei Kollegen gehöre ich zum Experten-Team der Social Media Sprechstunde Nürnberg. Claire – auch sie kenne ich schon seit vielen Jahren – betreut die Social Media Sprechstunde Köln mit.

In meiner letzten Session beriet sich der BVCM mit Mitgliedern und Interessierten über das Konzept der „Social Media-Stammtische“, die es ebenfalls in vielen Städten in Deutschland gibt. Der Austausch dazu war sehr interessant – so erklärten die Initiatoren des Berliner Social Media-Stammtischs, dass sie keinesfalls Impulsvorträge auf ihrem Stammtisch haben wollen, denn schließlich gäbe es in Berlin jeden Tag Veranstaltungen mit Vorträgen zu Social Media, und das könne man den Leuten dann nicht schon wieder zumuten. In anderen Städten kann das mangels „Übersättigung“ aber gerade interessant sein und zusätzliche Teilnehmer anziehen. Wir verständigten uns darauf, dass die Organisatoren vor Ort „ihre“ Stammtische ruhig individuell gestalten sollen, trotzdem sollen sich die Stammtische zukünftig einheitlicher präsentieren, beispielsweise, indem danach standardmäßig Fotos im BVCM-Blog gepostet werden. Ich darf übrigens hiermit bekannt geben, dass ich zukünftig den Social Media-Stammtisch Nürnberg organisieren werde :-).

Den Rest des Tages nutzte ich zum Netzwerken, Plaudern, Kaffee trinken,…

Die Atmosphäre (und Kleidung) auf einem BarCamp ist locker

Die Atmosphäre (und Kleidung) auf einem BarCamp ist locker

Es gibt übrigens noch zwei BarCamp-Regeln, die wichtig sind. Erstens: Über ein BarCamp spricht man. Und zwar direkt dort, den ganzen Tag, über Twitter und Facebook, direkt aus den Sessions heraus, unter dem vorgegebenen Hashtag. Und anschließend mit einem Blogbeitrag (hiermit geschehen). So können Dritte, die nicht teilnehmen konnten, sich informieren, was los war (einfach #ccb14 bei Twitter eingeben), und alle anderen können die Highlights noch mal Revue passieren lassen. Also habe ich fleißig getwittert und landete in der Folge glatt auf Platz 6 der „Top-Influencer des CommunityCamp 2014“ – was so viel bedeutet, wie dass meine Tweets häufig favorisiert und retweetet wurden. Bemerkenswert ist, dass Marco Jahn von der Bundeswehr – einer der wenigen anderen Behörden-Social Media-Manager auf dem Camp – auf Platz 1 landete. Daraus ist zu schließen, dass das Thema „Social Media in Behörden“ für viele nicht ganz uninteressant ist.

Zweitens: Man bedankt sich bei den Sponsoren und dem jeweiligen ehrenamtlichen Orga-Team, ohne die es kein BarCamp gäbe. Daher hier ein lieber Dank an das Team und an alle Sponsoren, von denen ich aber einige besonders herausheben möchte: Rossmann (sind bei zahlreichen BarCamps dabei und verteilen stets tolle Goodiebags aus ihrem Sortiment), Sonntagmorgen Kaffee (Kaffee ist bei so viel Inhalten zwischendurch ja essentiell wichtig, und das Team war das komplette Wochenende an der Kaffeetheke im Einsatz), Michael Roth von MicialMedia (schoss hunderte von tollen Fotos, die wir Teilnehmer nun verwenden und posten dürfen), und die CIMdata Medienakademie (in deren attraktiven Räumen wir tagen durften). DANKE für ein tolles Wochenende!

Welche BarCamps lohnen sich für Social Media-Manager/innen in Behörden? 

Wo können Behörden-Social Media-Manager/innen am meisten lernen?

Wo können Behörden-Social Media-Manager/innen am meisten lernen?

Da es mittlerweile unzählige BarCamps zu unzähligen Themen gibt – einige davon haben mit Social Media gar nichts zu tun – hier eine kleine Start- und Entscheidungshilfe.

Es gibt zum einen Themencamps wie das CommunityCamp. Hier ist von vorn herein klar, dass sich die Sessions rund ums Social Media- und Community-Management drehen werden. Neben dem CommunityCamp kann ich hier das FacebookCamp besonders empfehlen (das nächste findet im April 2016 in Hamburg statt, ich bin auch wieder dort).

Daneben gibt es allgemeine BarCamps, die den Namen der Stadt tragen, in der sie stattfinden (also BarCamp Hamburg, BarCamp Nürnberg,…). Sie finden mittlerweile nicht nur in großen, sondern auch in mittelgroßen Städten statt, meist jährlich zur gleichen Zeit. Den Besuch dort empfehle ich, wenn man nicht all zu weit weg wohnt/arbeitet, sich gezielt mit anderen dort verabredet oder noch andere Termine in der Stadt damit verbinden kann – denn man weiß nie, wie viele Sessions zum für einen selbst interessanten Thema es bei allgemeinen BarCamps am Ende geben wird. Spaß machen BarCamps eigentlich immer – aber hier geht es ja um den Wert als Fortbildungsveranstaltung.

Eine Übersicht über alle BarCamps, die schon feststehen, findet sich hier.

Nun steht zwischen Ihnen und dem nächsten BarCamp nur noch Ihr Fortbildungsantrag. Wir sehen uns also dort?

Ihre 
Christiane Germann

5 replies

  1. Danke für dein Plädoyer für Barcamps!

    Beim Barcamp Stuttgart sind die Mitarbeiter des Baden-Württembergischen Staatsministeriums übrigens nicht ’nur‘ als Teilnehmer am Start. Sie sind mit Ihrer Kampagne #bwjetzt sogar als Sponsor mit dabei. Und so gibt es abends Drinks an der ‚CampBar‘ aus dem Ländle. Inklusive Kuckucksuhr, in der bei jedem Tweet mit dem Hashtag #bwjetzt kein Kuckuck sondern in kleiner Twitter-Vogel zwitschert. Eine wunderbare Art mit den Teilnehmern dort ins Gespräch zu kommen…

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