Bilder im Social Web posten: Was muss ich als Behörde beachten?

shutterstock_284474006Urheberrecht, Nutzungsrecht, Recht am eigenen Bild: Unter welchen Voraussetzungen darf ich eigentlich Fotos bei Facebook, Twitter oder Instagram posten? Damit Sie – ausgerechnet als Behörde – möglichst nicht über die rechtlichen Fallstricke der Bildnutzung im Social Web stolpern, möchte ich Sie hier fürs Thema sensibilisieren, eine erste Orientierung geben und auf weiterführende Quellen verweisen. 

Zunächst einmal eine schlechte Nachricht: Es ist fast unmöglich, heute aktiv im Internet oder in sozialen Netzwerken zu publizieren, ohne irgendwann einmal eine Rechtsverletzung (insbesondere des Urheberrechts) zu begehen – dies hat auch der bekannte, auf Social Media spezialisierte Rechtsanwalt Thomas Schwenke in einem aktuellen Blogbeitrag jüngst noch mal bekräftigt.

Grund hierfür ist, dass das deutsche Urheberrechtsgesetz (von 1965) bislang nicht wirklich an das Internet und schon gar nicht an soziale Netzwerke, in denen das „Teilen“ von Inhalten seit Jahren alltäglich ist, angepasst wurde. Diese immer größer werdende „Lücke“/Diskrepanz wird bisweilen von unseriösen Fotografen und windigen „Abmahnanwälten“ ausgenutzt – und von einer derzeit leider noch sehr konservativen und restriktiven deutschen Rechtsprechung gestützt.

Die gute Nachricht ist jedoch: Je mehr Verständnis fürs Thema, desto besser kann man sich absichern – und so das Risiko zumindest stark senken. Daher hier ein Überblick über die wichtigsten Aspekte.

clause-67400_640Wichtig:
Ich empfehle Ihnen, sich ins komplexe Thema Bildrechte entweder umfangreich einzulesen und/oder sich hierzu mit Ihrer Rechtsabteilung oder mit Fachjuristen zu beraten, bevor oder sobald Sie (etwa mit einer einer eigenen Facebook-Seite oder einem Twitter-Profil) „loslegen“.

Urheberrecht und Nutzungsrechte: Warum man Bilder nie „ganz“ kaufen kann 

Urheber eines Bildes ist immer derjenige, der es erstellt (fotografiert) hat. Das Urheberrecht an sich lässt sich nicht übertragen oder veräußern – wer Urheber ist, bleibt Urheber, und zwar bis siebzig Jahre nach seinem Tod. Nach dem Gesetz darf diese Person grundsätzlich (mit wenigen Ausnahmen, beispielsweise zugunsten der Wissenschaft oder Lehre) ganz allein darüber entscheiden, was mit ihrem Bild geschieht – also ob es in der Öffentlichkeit gezeigt, vervielfältigt oder eben in sozialen Netzwerken hochgeladen werden darf – und ob sie dabei als Urheber zu nennen ist oder nicht.

Achtung: Dieser Schutz besteht unabhängig davon, ob es sich bei dem Bild um ein professionelles Foto oder einen Schnappschuss handelt! Die so genannte „erforderliche Schöpfungshöhe“ für ein geschütztes Werk wird bei Fotos nämlich per se als gegeben angesehen.

Was sich aber übertragen und erwerben lässt, sind Nutzungsrechte an Bildern. Hier können Sie mit dem Urheber alles mögliche und denkbare vereinbaren – von einer Freigabe für einen einzigen, genau bestimmten Zweck bis hin zur Übertragung des ausschließlichen Nutzungsrechts an Sie für alle Zeiten. Innerhalb dieses (vertraglichen) Rahmens dürfen Sie dann mit dem Foto verfahren.

In vielen Fällen werden Sie nicht direkt mit dem Urheber „verhandeln“ – kommerzielle Bilddatenbanken im Internet vertreiben abertausende Fotos von diversen Fotografen. Hier gilt es, die Lizenzbedingungen der jeweiligen Bilddatenbank genau zu lesen und/oder von Ihrer Rechtsabteilung prüfen zu lassen, um herauszufinden, wie Sie die Fotos nach dem Kauf/Download nutzen dürfen (insbesondere, ob eine Verwendung in sozialen Netzwerken erlaubt ist).

Daraus ergibt sich folgendes:

Eigene Bilder

Für Bilder, die Sie oder andere Mitarbeiter/innen Ihrer Behörde im Rahmen ihrer Tätigkeit selbst fotografiert haben, haben Sie als Amt automatisch Nutzungsrechte. Diese dürfen Sie also jederzeit auf Ihren Profilen und Seiten in sozialen Netzwerken veröffentlichen.

Recht am eigenen Bild

Zu beachten ist allerdings das Recht am eigenen Bild: Haben Sie Personen fotografiert – beispielsweise Gäste einer Veranstaltung Ihrer Behörde oder auch eigene Mitarbeiter/innen – müssen die abgebildeten Personen grundsätzlich (ausdrücklich oder konkludent und mit einigen Ausnahmen) damit einverstanden sein, dass ihre Fotos im Social Web veröffentlicht werden.

Im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lösen wir das so:

Bei Veranstaltungen und Tagungen weisen wir in der Einladung, spätestens aber zu Beginn durch den Moderator/Tagungsleiter darauf hin, dass Fotos des Events von uns (auch) für das Social Web erstellt werden. Wer das nicht möchte, kann auf uns zukommen – in dem Fall besteht dann ausdrücklich kein Einverständnis, ansonsten schon. Entdeckt jemand im Nachgang ein Foto von sich auf unserer Facebook-Seite und verlangt die Löschung, kommen wir dem aber nach (unabhängig von einer rechtlichen Verpflichtung – also auch dann, wenn die Person sich schlicht „nicht gut getroffen“ findet).

Mitarbeiter/innen, die sich für Fotos für unsere Facebook-Seite zur Verfügung stellen, erklären vorab mündlich — bei größeren Aktionen (Beauftragung eines Fotografen) auch schriftlich – ihr Einverständnis.

Fremde Bilder

Ein Bild, das Sie nicht selbst fotografiert haben, dürfen Sie (wie oben angedeutet) nur dann verwenden, wenn der Urheber oder Vermarkter des Bildes Ihnen entsprechende Nutzungsrechte eingeräumt hat. Andernfalls dürfen Sie es nicht verwenden – und zwar auch dann nicht, wenn Sie bereit sind, den Urheber zu nennen (ein häufiger Trugschluss). Prüfen Sie also bei jedem Bild, das Sie posten möchten, ob Sie die notwendigen Nutzungsrechte haben – und lassen Sie es im Zweifel (auch, wenn es schwer fällt, weil es das perfekte Bild für Ihren Post ist…) bleiben.

Die Folgen von Urheberrechtsverletzungen können Abmahnungen und Schadenersatzforderungen von mehreren hundert oder tausend Euro sein.

Nutzung in sozialen Netzwerken

Die Bildnutzung in sozialen Netzwerken stellt einen Sonderfall gegenüber anderen Verwendungsarten (z.B. auf Ihrer Homepage oder in einer Print-Broschüre) dar.

Der Grund hierfür ist folgender: Facebook, Twitter und ähnliche Plattformen lassen sich für jedes Bild, das Sie hochgeladen, von Ihnen automatisch Nutzungsrechte einräumen. Dies ist seitens der Plattform notwendig, damit bestimmte technische Funktionen – beispielsweise die Erstellung von Vorschaubildern beim „Teilen“ – realisiert werden können (und nicht, weil die Plattform Ihre Bilder weiter verkaufen oder für Werbung verwenden möchte, wie häufig geunkt wird). Nun beißt sich die Katze aber in den Schwanz: Sofern Sie für ein Bild Nutzungsrechte vom Urheber erworben haben, heißt das nicht (automatisch), dass sie diese an Dritte (sprich Facebook oder Twitter) weiter übertragen dürfen (Unterlizensierung) – es sei denn, es ist vertraglich so vereinbart. Und nicht jeder Urheber oder Anbieter möchte dies erlauben.

Es gibt folglich Foto-Anbieter (beispielsweise iStock), deren Bilder Sie aus diesem Grund zwar auf Ihrer Homepage, aber nicht im Social Web einsetzen dürfen. Andere wiederum (beispielsweise ClipDealer) bieten gegen Aufpreis eine Social Media-Lizenz an. Noch mal: Es kommt auf die jeweiligen Lizenzbedingungen an. Die meisten großen Stock-Anbieter unterbinden derzeit eine Social Media-Nutzung.

IMG_3053-1300x866Praxistipp:
Falls Sie einen Fotografen mit der Erstellung von Bildern beauftragen und diese anschließend (auch) in sozialen Netzwerken posten möchten, nehmen Sie am besten eine entsprechende Klausel in den Vertrag auf, die genau dies eindeutig erlaubt. Von den meisten Standardverträgen dürfte diese recht neue Nutzungsart nämlich noch nicht erfasst sein. Es reicht auch aus, wenn der Auftragnehmer Ihnen außerhalb des Vertrags schriftlich (beispielsweise per E-Mail) bestätigt, dass Sie die erworbenen Bilder in sozialen Netzwerken nutzen dürfen.

Kreative für Kreative: Kostenlose, verwendbare Bilder

Es gibt Fotografen, die die Verbreitung ihrer Bilder (auch in sozialen Netzwerken) ausdrücklich wünschen – oder sich durch Werbung finanzieren und daher ihre Werke für alle Zwecke und frei von jeder Kennzeichnungspflicht kostenlos zur Verfügung stellen. Einige erstklassige Quellen für solche Fotos nenne ich hier.

Im „Kleingedruckten“ – das Sie natürlich im Hinblick darauf lesen sollten, ob es noch etwas zu beachten gibt (Pixabay etwa schließt die Verwendung der Bilder „für unmoralische Zwecke“ aus) – werden Sie bei einigen dieser Webseiten auf die Bezeichnungen „CC0“ oder „public domain“ stoßen. Ist ein Foto mit „CC0“ gekennzeichnet (dieses Attribut ist relativ neu), heißt das, dass auf das Bild vom Urheber für „gemeinfrei“ erklärt wurde und ohne Kennzeichnungspflicht und sonstige Einschränkungen genutzt werden kann – auch im Social Web. Gleiches gilt für die Auszeichnung „public domain“ – sie galt ursprünglich für historische Aufnahmen, deren Urheberrechtssschutz bereits abgelaufen ist, wird aber analog zu „CC0“ von Fotografen verwendet, die ihre Bilder der Allgemeinheit zur Verfügung stellen möchten.

Mit diesen beiden Auszeichnungen sind Sie auf der sicheren Seite! Leider lässt sich das Web bisher nicht gezielt nach CC0- oder public domain-Bildern durchsuchen.

Darf ich auch Creative Commons-Bilder posten? 

Auch kostenlos, aber leider nicht zu 100% rechtssicher in sozialen Netzwerken verwendbar sind Bilder, die der Fotograf (sowohl Hobby- als auch Profi-Fotografen nutzen diese Option) mit einer Creative Commons (CC)-Linzenz versehen ins Netz gestellt hat. Dieses Instrument wurde 2001 in den Staaten entwickelt und ist vom Wesen her ein vereinfachter Vertrag zwischen Urheber und Nutzer. Die sechs verschiedenen CC-Kennzeichnungsmöglichkeiten zeigen jedem potenziellen Verwender auf einen Blick, was er mit den Bildern tun darf.

Um als Behörde keinen Urheberrechtsverstoß zu begehen, muss man bei der Verwendung immer auf folgendes achten:

  • Manche Bilder (man erkennt es an der Kennzeichnung „NC“ für „non-commercial“) sind lediglich zur nicht-kommerziellen Nutzung freigegeben. Da noch nicht höchstrichterlich geklärt ist, ob die Nutzung durch Behörden und öffentlich-rechtliche Einrichtungen eine nicht-kommerzielle Nutzung darstellt, empfehle ich, derzeit nur CC-Bilder zu verwenden, die für die kommerzielle Nutzung freigegeben sind. Sie lassen sich beispielsweise bei Flickr oder über CCSeach finden und auch nach diesem Aspekt filtern.
  • Bei Creative Commons gibt es umfangreiche Kennzeichnungspflichten. Veröffentlicht man ein solches Bild, müssen in unmittelbarer Nähe des Bildes der Urheber/Fotograf, der Bildtitel (falls vorhanden) und die Art der CC-Lizenz genannt werden. Zusätzlich muss sowohl auf die Lizenz, als auch auf die Originalquelle des Bildes verlinkt werden. Für den Fotografen ist dies eine Art „Entlohnung“, da er namentlich genannt wird und durch die Verlinkung sein Google-Ranking und/oder der Traffic auf seine Website steigt.

Für eine potenzielle Nutzung in Social Media sind die Kennzeichnungspflichten ein großer Nachteil: Zum einen kann man bei einer so komplizierten Auszeichnung leicht Fehler machen (was viele tun) und begeht dann wieder eine Urheberrechtsverletzung. Zum anderen sieht eine derartig lange Quellenangabe am Bild nicht eben „schick“ aus und stört gegebenenfalls das Design des Beitrags, den man durch das Bild ja eigentlich attraktiver gestalten wollte. Bei Websites und Blogs, die Textlinks zulassen, ist die Auszeichnung zwar noch relativ dezent machbar – in einem Facebook-Beitrag entsteht jedoch ein dreizeiliger Textblock, bei Twitter mit seinen 140 Zeichen kann man die Informationen gar nicht unterbringen.

Woher bekomme ich gute und günstige Bilder für meinen Social Web-Auftritt?Hinzu kommt wieder das Problem, dass von Creative Commons die Unterlizensierung an soziale Netzwerke (siehe weiter oben) nicht abgedeckt ist. Erlaubt wird nämlich öchstens eine „Weitergabe (von Nutzungsrechten) zu gleichen Bedingungen“, aber keine derart umfangreiche Einräumung von Rechten, wie sie beispielsweise Facebook bei Upload eines Fotos automatisch erwirbt. Der Fotograf kann an dieser Einschränkung nichts ändern, da sie standardmäßig in allen CC-Lizenzen (außer CC0) enthalten ist. Er wird häufig nichts gegen eine Nutzung in sozialen Netzwerken haben (oder weiß gar nicht, dass diese rechtlich nicht abgedeckt ist), da er seine Fotos ja zur kostenlosen Verbreitung ins Internet gestellt hat. Dennoch ist mir ein entsprechender Abmahnfall bekannt.

Daher rate ich zu folgendem: Schreiben Sie den Urheber an und fragen vorsichtshalber nach, ob er mit einer Nutzung in Social Media einverstanden ist. Im Zweifel und sofern Sie kein Restrisiko eingehen wollen: Verzichten Sie aufs „Posten“ und nutzen sie das Foto nur auf Ihrer Website oder Ihrem Blog – dort ist es bei entsprechender Kennzeichnung rechtlich unproblematisch.

Bildzitate

In bestimmten Fällen dürfen Bilder als so genannte Bildzitate auch ganz ohne Einwilligung des Urhebers verwendet werden – die Voraussetzungen werden hier genannt. Sofern Sie eine andere Möglichkeit sehen, an ein passendes Bild zu kommen, rate ich aber eher davon ab, sich auf dieses rechtlich dünne Eis zu begeben.

Wo kann ich mich weiter einlesen? 

Die Rechtsanwälte Thomas SchwenkeCarsten Ulbricht und Nina Diercks sind deutschlandweit als Experten für Internet- und Social Media-Recht bekannt. Die Namens-Links führen zu ihren Blogs, deren regelmäßige Lektüre ich empfehle, wenn Sie in diesem speziellen Rechtsgebiet auf dem neuesten Stand sein möchten. Alle drei können Sie auch auf Facebook und Twitter abonnieren oder für Workshops buchen; Thomas Schwenke und Carsten Ulbricht haben zudem Bücher zum Thema veröffentlicht.

Haben Ihnen diese Tipps geholfen? Ist alles verständlich? Gibt es Fragen? Ich freue mich über Feedback. Über das Thema Urheberrecht diskutiere ich übrigens immer wieder gerne – und rede mich dabei auch mal in Rage 😉 – auch hier mit Ihnen in den Kommentaren!

Ihre
Christiane Germann

Foto-Nachweis Bild 1: shutterstock.com/Maksim Kabakou. Die restlichen Bilder in diesem Artikel sind kostenlose Bilder von Picjumbo und Pixabay. Die Quelle zu nennen, wird bei letzteren nicht verlangt – ich tue es an dieser Stelle aber gerne und mit Dank 🙂

1 reply

  1. „Leider lässt sich das Web bisher nicht gezielt nach CC0- oder public domain-Bildern durchsuchen.“ Mit Google kann man die Nutzungsrechte bei der Bildersuche einschränken („zur Wiederverwendung gekennzeichnet“) und dann erhält man (nur) public-domain-Bilder. Oder habe ich Ihre Aussage falsch verstanden?

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