Wie halte ich mein Social Media-Wissen aktuell? – Tipps für den Arbeitsalltag

Dieser Beitrag wurde am 25.10.2015 aktualisiert.

shutterstock_222178603_kleinerDas Social Web ist – im Gegensatz zur öffentlichen Verwaltung – ein sehr dynamisches Feld. Neue Funktionen bei bei Twitter, schon wieder ein Re-Design bei FacebookInstagram kann jetzt auch Fotos im Hoch- und Querformat, ein neues Netzwerk soll angeblich schon morgen den anderen den Rang ablaufen. Wie man es als Social Media-Verantwortliche/r in einer Behörde schafft, den Überblick zu behalten und relevante Entwicklungen rechtzeitig mitzubekommen, verrät dieser Beitrag. 

Im Februar 2014 war ich, wie jedes Jahr, beim Facebook-Camp (kurz fbcamp) in Hamburg.  Heiko Hebig von Facebook Deutschland erläuterte dort im Rahmen einer kleinen Präsentation aktuelle strategische und technische Neuerungen der Plattform. „Facebook ist im ständigen Wandel“, betonte er. Nahezu täglich würden neue Funktionen getestet und gegebenenfalls kurzfristig eingeführt, andere dafür verändert oder abgeschafft – immer orientiert an den Bedürfnissen der meisten Nutzer.

Damals hatte Facebook gerade angefangen, insbesondere die Posts von Unternehmensseiten (also auch die von Behörden) stärker zu filtern und nicht jeden Beitrag automatisch jedem „Fan“ anzuzeigen – der Grund dafür ist, dass mittlerweile der Großteil der Unternehmen bei Facebook ist und Nutzer/innen nicht mit zu vielen Werbebotschaften konfrontiert werden sollen. Je „redaktioneller“ und „relevanter“ ein Beitrag ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass viele „Fans“ ihn zu lesen bekommen. Das ist auch heute noch so. Vieles, vieles andere hat Facebook aber seither geändert. Kleine Auswahl: Man kann Videos direkt bei Facebook hochladen (früher konnte man sie nur von anderen Plattformen aus verlinken). Es gibt „Instant Articles“. Und Textbausteine für persönliche Nachrichten. Das Chronik-Design wurde mindestens zweimal angepasst. Die Umfrage-Funktion ist wieder da. Sie verstehen, was ich meine?

Für Unternehmen (und Behörden) bedeutet das: Was gestern noch die optimale Strategie war, um mit seinen Inhalten auf Facebook eine möglichst hohe Reichweite zu erzielen, kann heute oder morgen zumindest teilweise überholt sein („Zwei Jahre altes Facebook-Wissen ist gefährlich!“).

Ähnliches gilt für die anderen sozialen Netzwerke: Bei Twitter und Instagram war und ist genau so viel los. Und auch das Web 2.0 insgesamt verändert sich – vor zwei Jahren waren Bewegtbildinhalte dort lange nicht so omnipräsent wie heute.

shutterstock_268787015_kleinerWie bleibe ich auf dem laufenden?

Für Social Media- und Community-Manager/innen in Behörden ist es (ebenso wie in Unternehmen) deshalb sehr wichtig, über aktuelle Entwicklungen in der Branche auf dem laufenden zu sein.

Doch wie schafft man das? Wir alle wissen, dass der Arbeitsalltag stressig, die Personaldecke dünn und die Zeit meistens knapp ist.

Ich möchte hier einige praktische Tipps geben, die sich für mich sowohl als Social Media-Managerin in Behörden, als auch in meiner Tätigkeit als Social Media-Beraterin bewährt haben.

Lesen Sie viel!

Es gibt sehr gute (gedruckte) Literatur zum Thema Social Media (zu meinen Lieblingsbüchern werde ich mal einen separaten Blogpost schreiben) – aktuelle Entwicklungen bekommt man jedoch am besten dort mit, wo sie auch stattfinden, nämlich im Social Web. Positiver Nebeneffekt: Hier sind die Informationen in der Regel auch kostenlos.

Folgende einschlägige (Fach-)Blogs empfehle ich als regelmäßige Lektüre:

  • Allfacebook.deDer Blog rund ums Thema Facebook – wer ihn regelmäßig liest, kann unmöglich eine Neuigkeit im Zusammenhang mit dem größten sozialen Netzwerk verpassen.
  • Social Media Watchblog – Für mich mittlerweile unverzichtbar: Hier gibt es täglich eine Zusammenstellung der wichtigsten Social Media-Neuigkeiten aus dem Netz („Briefing“). Beste mir bekannte Quelle zum Thema Twitter.
  • Social Secrets – Meinungsstarker, schön aufgemachter und von mir sehr geschätzter Blog, hier schreiben verschiedene Social Media-Experten.
  • Social Heat – Kein eigener Blog, sondern ein Kurationstool, das Artikel rund um das Thema Social Media aus Blogs und ausgewählten Medien sammelt. Sehr nützlich!
  • In Sachen Kommunikation – Anfänger/innen werden mit dem Blog der sympathischen Social Media-Expertin Annette Schwindt von Schwindt PR ebenso ihre Freude haben wie Profis: Es gibt viele Erklärungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die man sich allesamt gerne ausdrucken und an die Wand tacken würde.
  • Thomas Hutter’s Social Media und Facebook Marketing Blog – Thomas Hutter ist der Facebook-Anzeigen-Guru. Insbesondere, wenn Sie für Ihre Behörde auch Facebook-Anzeigen schalten oder dies planen, ist die Lektüre ein Muss. Auch sonst bekommt man hier aber viel Nützliches über den blauen Riesen mit.
  • Lead Digital/Social Media – Blog zur gleichnamigen Zeitschrift des Verlags W&V – Werben und Verkaufen. Hier wird nicht jede kleine Änderung in jedem sozialen Netzwerk durchgekaut, sondern eher das große Ganze in den Blick genommen. Zur Ergänzung super.
  • Natascha Ljubic – Social Media für Unternehmen – Der österreichischen Social Media-Beraterin Ljubic sollte man unbedingt auch bei Facebook und Twitter folgen, da sie täglich Unmengen an nützlichen Tipps und Links postet.
  • Social Media-Rechtsfragen werden auf den hilfreichen – und gar nicht langweiligen oder trockenen – Blogs der auf das Web 2.0 spezialisierten Juristinnen und Juristen Thomas Schwenke, Carsten Ulbricht sowie Nina Diercks von Diercks & Dirks besprochen.

Bloglektüre in den Arbeitsalltag integrieren

shutterstock_146958269_kleinerNatürlich muss man diese Webseiten nicht ständig manuell ansteuern. 🙂 Alle hier genannten Blogs haben Newsletter und ihre Autoren sind bei Facebook und Twitter aktiv – man kann sie also auf mehreren Kanälen abonnieren und bekommt alle Neuigkeiten bequem in den Newsfeed und/oder ins (dienstliche) E-Mail-Postfach geliefert.

Tipp: Reservieren Sie sich oder dem Teammitglied, das für das „im Auge behalten“ relevanter Branchennews zuständig ist, (feste) Zeitfenster pro Tag oder Woche, die dazu genutzt werden können. Es handelt sich hier um eine klassische und wichtige Aufgabe eines/einer Social Media-Verantwortlichen. Wichtige Neuerungen müssen im Redaktionsteam besprochen und sollten den Vorgesetzten zur Kenntnis gegeben (und bei Bedarf erklärt) werden.

Social Media-Experten bei Twitter folgen

Social Media-Experten sind selbstverständlich höchst aktiv in sozialen Netzwerken – insbesondere bei Twitter. Es lohnt sich also, außer den oben genannten auch weiteren Social Media-Beraterinnen und -Beratern, Agenturen, Bloggerinnen und Bloggern und Online-Medien zu folgen. Wie Sie diese finden? Schauen Sie einfach nach, wem die oben genannten Personen folgen oder suchen Sie nach Hashtags wie #SocialMedia, #Facebook, #Twitter, #Instagram oder auch nach dem einer Social Media-Veranstaltung, die gerade stattfindet (dazu mehr weiter unten). So finden Sie sehr schnell die Accounts, die zu diesen Themen twittern. Viele von ihnen haben dann wiederum auch Facebook-Seiten, die Sie ansteuern können. So bauen Sie sich mit der Zeit ein wertvolles (und kostenloses) Neuigkeiten-Netzwerk auf.

Austausch in Online-Communities

office-620823_1280Einen noch größeren Nutzen erzielen Sie natürlich, wenn Sie den Personen nicht nur passiv folgen, sondern selbst aktiv sind. Kommentieren Sie Beiträge, stellen Sie Fragen, teilen Sie interessante Inhalte mit anderen.

Bei Facebook gibt es einige Gruppen, in denen sich speziell Social Media-Experten beziehungsweise Menschen, die beruflich mit dem Social Web zu tun haben, austauschen, diskutieren und sich gegenseitig auf dem laufenden halten. Facebook-Gruppen, die ich gut finde, sind unter anderem Fanpage AdminsWeb 2.0, Social Media und RechtAlles rund um InstagramSocial Media Women und Digital Media Women.

BarCamps: Branchentreffen mit hohem Lerneffekt

Große Digital-Tagungen und Messen wie die re:publica sind den meisten ein Begriff und sollte Ihr/e Vorgesetzte/r Sie dort hin lassen, ist das prima. Ein weitaus kostengünstigeres, aber dennoch sehr effektives Format, um sich mit anderen Social Media-Verantwortlichen zu treffen und Neuigkeiten mitzubekommen, sind so genannte „Unkonferenzen“ oder BarCamps. Hier stimmen die Teilnehmer über die Tagesordnung ab und treffen sich anschließend zu so genannten, meist einstündigen „Sessions“, in denen einzelne Themen auf Augenhöhe diskutiert werden oder anwesende Experten einfach ihr Wissen weitergeben.

BarCamps sind gesponsert und haben daher eine geringe Teilnahmegebühr, was Ihr Fortbildungsreferat freuen wird. Entsprechend leger geht es zu (hier trägt man Jeans und Sneakers), und anstatt Visitenkarten auszutauschen, folgt man sich auf Twitter. Mir gefällt das Format sehr gut, da nicht der Vortragende, sondern das Thema im Vordergrund steht.

BarCamps finden übers ganze Jahr verteilt in fast allen Regionen Deutschlands statt (eine Übersicht gibt es hier). Besonders interessant für Social Media-Verantwortliche sind entsprechendene Themen-Camps wie das bereits erwähnte fbcamp, das CommunityCamp und das KrisenPRCamp.

BVCM: Der Verband für Social Media-Berufstätige

Hauptberufliche Social Media- und Community-Manager/innen können Mitglied im Berufsverband BVCM werden und haben damit ein hervorragendes Netzwerk an der Hand. Ziel des Verbands ist es unter anderem, das noch relativ neue Berufsbild des Social Media-/Community-Managers in Deutschland weiter zu professionalisieren.

Die Vernetzung der Mitglieder (die meisten stammen aus Unternehmen, aber auch Social Media-Manager aus Behörden stoßen mittlerweile dazu und beide können voneinander lernen) erfolgt nicht nur online im verbandseigenen Intranet, sondern auch „offline“ bei monatlichen „Stammtischen“ in fast allen größeren Städten (ich nehme seit meinem Umzug regelmäßig in Berlin teil) und bundesweiten Jahrestreffen mit Vorstandswahl.

Eine Behördenmitgliedschaft gibt es allerdings nicht – ich bin hier privat Mitglied und zahle den Jahresbeitrag von derzeit 60 Euro selbst.

Behörden + Social Media = eigene Netzwerke

shutterstock_281761766Nicht nur der BVCM hält regelmäßig Social Media-„Stammtische“ ab. Gemeinsam mit der Babiel GmbH, einer Düsseldorfer Beratungsagentur unter anderem für Social Media, organisiere ich für das Bundesministerium des Innern den mittlerweile seit mehreren Jahren bestehenden „Stammtisch 2.0“. Dort – das ist in dem Fall Berlin – treffen sich alle ein bis drei Monate Social Media-Verantwortliche sowie Presse-und-Öffentlicheitsarbeiter speziell aus obersten und oberen Bundesbehörden. Neben qualitativ hochwertigen Impulsvorträgen von Gästen oder den Teilnehmern selbst gibt es immer auch Zeit und Gelegenheit zum Netzwerken. Die Teilnahme ist gebührenfrei. Der „Stammtisch 2.0“ organisiert sich über einen E-Mail-Verteiler – gerne setze ich Sie auf Anfrage drauf. Das Netzwerk Goverbreak richtet sich hingegen an alle Behörden und öffentlichen Einrichtungen und findet unregelmäßig in verschiedenen Städten statt.

Falls Ihnen diese Städte zu weit weg sind, hören Sie sich um – je größer der Ort ist, an dem Ihre Behörde den Sitz hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass es Social Media-Netzwerke und -Treffen gibt. Sollten dort bislang vor allem Social Media-Manager/innen aus Unternehmen und weniger aus Behörden vertreten sein, werden Sie schnell merken: Die Erfahrungen, Probleme und Tipps, die man dort zur Sprache kommen, gelten bis auf wenige Ausnahmen „branchenübergreifend“. Und für spezifische Behördentipps gibt es ja diesen Blog ;-).

Kollegen aus anderen Behörden kontaktieren

Bestimmt haben Sie sich längst einen Überblick darüber verschafft, was andere Behörden bei Facebook, Twitter und in anderen Netzwerken so tun und posten. Nehmen Sie Kontakt zu denjenigen Kolleginnen und Kollegen auf, die bei der jeweiligen Behörde für den Social Media-Auftritt verantwortlich sind!

Ein telefonischer, auch regelmäßigerer Austausch zu aktuellen Entwicklungen lässt sich problemlos in den Arbeitsalltag integrieren. Auch behördeninterne Arbeitstreffen lassen sich verhältnismäßig leicht und ohne hohe Kosten realisieren. Schaffen Sie sich ein eigenes Netzwerk von Social Media-Kollegen aus der Verwaltung – dass wichtige Neuerungen an einem von Ihnen vorbei gehen, dürfte dann unwahrscheinlich sein.

…oder doch die teure Schulung?

shutterstock_223243051Die hier erwähnten Tipps sind dazu geeignet, vorhandenes Basis- oder Fortgeschrittenenwissen aktuell zu halten und auch immer wieder dazu zu lernen. Um die Grundlagen von Social Media zu verstehen, sollte man aber zunächst auf „echte“ Fortbildungsveranstaltungen zum Thema zurück greifen. Tipps hierzu werde ich in einem weiteren Blogbeitrag posten.

Über Ihre Tipps und Erfahrungen, wie man im Redaktionsalltag sein Social Media-Wissen auf dem laufenden halten kann, freue ich mich!

Ihre
Christiane Germann

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